Die Familie John Schiff (1825 - 1899) und Hermine Schlesinger (1843 - 1926)
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Den erweiterten, 5 Generationen umfassenden Stammbaum der
Familie Schiff finden Sie
hier. |
Das Familiendiagramm:
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John Schiff
wird 1825 als Sohn von Wolf Schiff (gest. 24. November 1865 in
Breslau) und Rodisch Eger
(gest. 12. August 1849 in Breslau) in Breslau geboren. Sein Geburtsname
lautete wahrscheinlich auf
Johann oder auch Johannes. Er lebte mit seiner Frau Hermine
Schlesinger (geb. 1843; gest. Wien ca. 21. April 1926) in Wien. Die auf den
ersten Blick etwas merkwürdig anmutende Anglisierung seines Vornamens kommt wohl
daher, dass John als junger Mann etliche Jahre in Australien verbracht hat - bis
etwa zur Mitte der 1860er Jahre. Danach muss er, recht wohlhabend, nach Europa
zurückgekehrt sein und sich in Wien niedergelassen haben, denn im Jahre 1866
kommt dort sein und Hermines erster Sohn Walter zur Welt. Es folgen
drei weitere Kinder, alles Söhne: Felix, Robert und Albert.
Letzterer stirbt, wie auch Walter, schon im Kindesalter.
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Diese beiden
Aufnahmen zeigen möglicherweise John Schiff und seine Frau
Hermine Schlesinger; es könnte sich aber auch um Johns Bruder
Max
Schiff und dessen Ehefrau
Carolina Schlesinger handeln - die Angaben auf der Rückseite des
Fotos sind widersprüchlich.
(Für größere Abbildungen bitte auf das jeweilige Foto
klicken.)
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John ist
offenbar zusammen mit seinem Bruder
Max Inhaber einer Textilfirma. Darauf weist
unter anderem ein Eintrag im
Österreichischen Markenanzeiger von 1891 hin (Heft III/IV,
S. 32), der John und Max als Pfaidler (Hemdenmacher) ausweist. Ein
weiteres interessantes Detail: Johns Frau Hermine und Bruder Max' Frau Carolina
waren Schwestern. Bereits in Max' Todesanzeige von 1903 wird Hermine als
"Schwägerin" aufgeführt, zweifelsfrei geht dies jedoch aus der Todesanzeige von
Carolina in der Neue Freie Presse vom 29. April 1908 hervor, wo Hermine
als Schwester gelistet wird.
John selbst
stirbt am 24. Juli 1899 im Alter von 74 Jahren in Tullnerbach in der Nähe von
Wien und ist auf dem Zentralfriedhof in Wien begraben. Hermine überlebt ihn um
27 Jahre und stirbt im April 1926 in Wien im Alter von 83. Sie wird am 23. April
1926 an der Seite ihres Mannes auf dem Zentralfriedhof beerdigt.
Zu den Kindern
von John und Hermine:
1. Walter Schiff. - Walter wird am 6. Mai 1866 in Wien geboren und stirbt im Alter von 3 Jahren
am 2. Februar 1870, ebenfalls in Wien. Er wird zunächst auf dem Währinger
Friedhof beerdigt, im Juni des Jahres 1900 jedoch in das Grab seiner Eltern auf
dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet.
2. Dr. Felix Schiff. -
 Felix
erblickt am 23. Oktober 1867 in Wien das Licht der Welt. Von Beruf wird er
Chemiker, sein Heimatschein (sozusagen der Bürgernachweis der Stadt Wien) 1894
weist ihn als Doktor der Philosophie (wohl Dr. phil.) ausweist . Zusammen mit
dem Ingenieur Karl Oplatek gründet er die Firma Galvapol, die in der
galvanotechnischen, Polier- und Schleifmittel-Industrie angesiedelt ist. 1899
heiratet er im Wiener Stadttempel Lisette Emma Kanitz, die Tochter von Isidor Kanitz und
Augusta Jeiteles. Felix stirbt mit 65 Jahren am 23.
August 1932 in Wien an einem Herzschlag.
Zu den Kindern
von Felix und Lisette:
1. Hildegard ("Garda") Schiff wird
1899 geboren. Sie heiratet 1925 im Alter von 26 Jahren Robert
Karplus im Stadttempel in Wien. Um 1938 flüchtet sie mit
ihrer Mutter vor den Nazis in die USA, wo sie noch etwa 1980 im New
Yorker Stadtteil Manhattan lebt.
2. Johannes Schiff wird 1901 in
Wien geboren, ergreift, wie sein
Vater Felix, den Beruf des Chemikers und führt die Firma Galvapol
weiter. Am 20. Dezember 1930 heiratet er Friederike ("Fritzi")
Hamplova (bzw. Hampl). Mit ihr hat er zwei Töchter (1932 und
1935). Ende 1938 verlässt die Familie auf der Flucht vor den Nazis
Österreich und erreicht im Mai 1939 nach einer Reise voller Umwege
(über Zürich, Prag und London) per Schiff Australien, wo sie sich in
Sydney niederlassen. Johannes ist dort seit 1964 verschollen.
3. Walter Schiff kommt 1907
ebenfalls in Wien zur Welt. Nach der Machtergreifung der Nazis in
Österreich will auch er zusammen mit seinem Bruder mit dem gleichen
Schiff nach Australien, lernt jedoch während der Reise eine Frau
kennen, die weiter nach Neuseeland will. Walter ändert daraufhin
seine Pläne und reist mit dieser Frau weiter. In Neuseeland heiraten
die beiden und bekommen zwei Töchter. Weiteres ist mir nicht
bekannt.
3. Robert Schiff. -
Robert wird am 17. Januar 1869 in Wien geboren. Bereits als junger Mann
tritt er zum katholischen Glauben über, dies erfolgt aber wohl eher aus Gründen
der Anpassung als aus Glaubensgründen, da es für Juden in der damaligen Zeit
schwer bzw. unmöglich war, bestimmte Karrieren zu machen oder beruflich
voranzukommen. 1897 heiratet er jedoch noch ganz in der jüdischen Tradition die
Schauspielerin Regina (Gina) Eibenschütz (1869 - 1956) im Stadttempel in
Wien. Regina war die Tochter von David Eibenschütz, dem Kantor des Budapester
Stadttempels.
Robert wird
nach einer Ausbildung in Wien, Berlin, München und Paris ein bekannter
Porträtmaler seiner Zeit. Unter anderem porträtiert er den österreichischen
Kaiser Franz Joseph und die Schriftstellerin Bertha von Suttner. Robert Schiff
stirbt in Wien im Jahre 1935. Seine Frau Gina überlebt ihn um 21 Jahre und
stirbt 1956, eventuell in Argentinien (das konnte ich bisher noch nicht klären).
INFO:
Zu erwähnen ist hier auch Reginas jüngere Schwester
Ilona Eibenschütz (1872 - 1967), die eine berühmte Pianistin
wird. Sogar Franz Liszt, so sagt man, habe mit der damals
Fünfjährigen zusammen ein Konzert gegeben. Später wird Ilona von
Clara Wieck unterrichtet, der Frau Robert Schumanns. Sie gibt
Konzerte in ganz Europa und spielt für viele gekrönte Häupter. Als
sie 1902 in London im Alter von 30 Jahren Carl Derenburg heiratet,
gibt sie ihre Karriere auf und führt von da an ein zurückgezogenes
Privatleben.
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Zu den beiden Kindern von Robert und Regina,
Lotte Schiff und Friedrich Schiff:
1. Lotte Schiff
Zu Lotte ist mir lediglich bekannt, dass sie Tänzerin
wird und später in Buenos Aires lebte. Es liegen keine Geburts- oder sonstigen Daten vor.
2. Friedrich Hermann Schiff
Friedrich wird 1908 in Wien geboren. In den zwanziger
Jahren besucht er die Akademie der bildenden Künste in Wien und wandert 1930 nach
Shanghai aus, wo er die nächsten 17 Jahre verbringt und sich einen Namen als
gefragter Karikaturist und Maler macht. 1947 verlässt er China, wohl aufgrund
der schwierigen Bürgerkriegssituation, und zieht nach Buenos Aires in
Argentinien. Dort lernt er seine spätere Frau kennen, Elisabeth (Lise) Kämpf,
ebenfalls eine Exilösterreicherin. Lise arbeitet dort unter dem Pseudonym Margaret
Garland als Journalistin und als Übersetzerin.
Friedrich und
Lise heiraten ca. 1949 und Anfang 1951 kommt das einzige Kind, Tochter
Marietta Schiff zur Welt. Marietta wird mit
Downs-Syndrom geboren und aufgrund dessen entschließen sich die Eltern, ca. 1953 wieder nach
Wien zu übersiedeln, wo sie sich eine gute medizinische Behandlung für ihre
Tochter erhoffen. Dafür lässt sich Friedrich als Grafiker bei Unilever in
Wien anstellen und malt ernsthaft nur noch in seiner Freizeit. Um 1955 herum infiziert
er sich mit dem Polio-Virus (Kinderlähmung), überlebt diese Ansteckung zwar, ist
jedoch von da an bis zu seinem Tod auf die Hilfe von Krücken angewiesen. 1968
stirbt er im Alter von nur 60 Jahren in Wien an Krebs.
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INFO: In Wien besteht der Verein zur Pflege des Gedenkens an den
österreichischen Maler und Humanisten Friedrich Schiff. Der Verein
hat 2001 das Buch "Der Blick durch die Drachenhaut. Friedrich
Schiff: Maler dreier Kontinente" herausgegeben. Die
bibliographischen Angaben dazu finden Sie
hier. |
4. Albert Schiff. - Albert wird am 21. Mai 1870 in Wien geboren und stirbt bereits ein knappes Jahr
später am 26. Februar 1871, ebenfalls in Wien. Er wird zunächst auf dem
Währinger Friedhof beerdigt, im Juni des Jahres 1900 jedoch in das Grab seiner
Eltern auf dem Wiener Zentralfriedhof umgebettet, wie auch schon sein Bruder
Walter.
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