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Meine Vorfahren kamen aus
unterschiedlichen Ländern (zumindest in den heutigen Grenzen), gehörten
unterschiedlichen Religionen an und hätten sich vielleicht nicht einmal
verstanden, wären sie sich zufällig über den Weg gelaufen. Ich bin
die Nachfahrin des unehelichen Sohnes einer katholischen Waschfrau, eines
berühmten Rabbiners und von Webern, Soldaten, Minenarbeitern, Fabrikbesitzern
und Bauern... Meine Vorfahren stammen aus dem Rheinland, aus Österreich-Ungarn,
Schlesien, aus Schwaben, aus Thüringen und vielen anderen Regionen. Mitglieder
dieser Familie lebten in Wien, Berlin, Posen, Ulm, Breslau und zahllosen anderen
kleinen Orten. Heute finden sich Nachkommen in der ganzen Welt.
Etliche Mitglieder meiner erweiterten Familie kamen im Holocaust um, einige wurden von Stalin ermordet, während wiederum andere relativ unbetroffen durch die Geschichte kamen, kaum jemals umgezogen sind und ihr Leben lang mehr oder minder am selben Ort verbrachten. Die Geschichte meiner Familie reflektiert also die deutsche und die europäische Geschichte in einer Weise, wie sie viele andere auch erzählen könnten. Je tiefer ich darin eintauche und je mehr ich über die Umstände lerne, unter denen meine Vorfahren ihr Leben gelebt haben, desto mehr begreife ich mich als jemand, in dem unendlich viel Unterschiedliches vereint ist und mir wird immer klarer, dass meine Familiengeschichte keine katholische, evangelische, jüdische, keine deutsche oder auch nur regionale ist, sondern eben eine europäische.
Und das, so finde ich, ist eigentlich eine gute Geschichte.
Carrollton im März 2011,
Irene Uffrecht-Peters
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